Wussten Sie, dass das durchschnittliche Eintrittsalter im Leistungsfall einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bei etwa 48 Jahren liegt – und viele Verträge dennoch bereits mit 60 enden?
Das Problem: Die gesetzliche Altersrente beginnt regulär erst mit 67 Jahren. Wer berufsunfähig wird und nur bis 60 abgesichert ist, riskiert eine Einkommenslücke von bis zu sieben Jahren. In diesem Ratgeber erfahren Sie, ob eine BU-Laufzeit bis 60 noch zeitgemäß ist, welche Risiken im Detail bestehen – und wann die Absicherung trotzdem sinnvoll sein kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Viele ältere BU-Verträge enden mit 60 – heute meist nicht mehr empfohlen
- Das gesetzliche Rentenalter liegt bei 67 Jahren
- Durchschnittsalter in einem BU-Fall: ca. 48 Jahre
- Eine Laufzeit bis 60 kann eine Versorgungslücke von bis zu 7 Jahren erzeugen
- Die Beitragsersparnis ist oft geringer als das finanzielle Risiko
- Moderne Berufsunfähigkeitsversicherungs-Tarife laufen in der Regel bis 67 Jahre
Warum enden viele BU-Verträge bei 60?
Viele Policen mit Endalter 60 stammen aus einer Zeit, in der:
- das Rentenalter niedriger lag
- eine Frühverrentung verbreitet war
- die Beiträge stärker im Fokus standen als die Absicherungslücken
Eine kürzere Laufzeit senkt den Beitrag – das war (und ist) für viele ein Verkaufsargument.
Heute sieht die Realität anders aus:
- Renteneintritt mit 67 ist in Deutschland Standard
- Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht oft nicht zur Existenzsicherung
- Die Lebenserwartung steigt
Dadurch entsteht bei einem Endalter von 60 Jahren ein erhöhtes finanzielles Risiko.
Das zentrale Problem: Die Versorgungslücke 60–67

Wird eine Person mit 59 berufsunfähig und der Vertrag endet mit 60, entsteht eine erhebliche Einkommenslücke.
Beispielrechnung
Endet eine BU-Versicherung deutlich vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter, kann eine erhebliche Versorgungslücke entstehen. Diese Summe müsste aus Rücklagen oder aus Vermögen finanziert werden.
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung Rechner: Beitrag & Absicherung richtig berechnen
Wie hoch ist das BU-Risiko nach dem 60. Lebensjahr?

Viele gehen davon aus, dass das Risiko kurz vor dem Renteneintritt sinkt. Statistisch stimmt das so nicht. Das durchschnittliche Eintrittsalter im BU-Leistungsfall liegt bei rund 48 Jahren. Gleichzeitig zeigen die Leistungsstatistiken, dass schwere Erkrankungen wie:
- Krebs
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- neurologische Erkrankungen
- psychische Leiden
auch in einem höheren Erwerbsalter häufig auftreten.
Gerade zwischen 55 und 60 steigt das Risiko für:
- Krebsdiagnosen
- Herzinfarkte
- Bandscheibenvorfälle
- chronische Erkrankungen
Wer also nur bis 60 abgesichert ist, verliert also genau in einer Phase Schutz, in der die gesundheitliche Risiken statistisch zunehmen.
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung bei Vorerkrankungen – Chancen, Risiken & Lösungen
Kostenvergleich: BU bis 60 vs. bis 67

Der häufigste Grund für ein Endalter 60 ist die Beitragsersparnis. Doch wie groß ist diese denn tatsächlich?
Beispiel: Büroangestellter, 1.500 € BU-Rente
Beispielwerte für etwa 1.500 € BU-Rente, Nichtraucher ohne Vorerkrankungen. Die Beiträge variieren je nach Versicherer und Tarif.
Die Mehrkosten für eine Laufzeit bis 67 liegen häufig zwischen 10 und 30 Euro pro Monat – abhängig von Alter und Beruf. Demgegenüber steht eine potenzielle Versorgungslücke von über 150.000 Euro (siehe Beispiel zuvor).
Warum empfehlen Experten meist das Endalter 67?
- Das gesetzliche Rentenalter liegt bei 67
- Viele Menschen arbeiten real bis 66 oder 67
- Die Rücklagen reichen selten für 5 bis 7 Jahre Einkommensersatz
- Eine spätere Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist besonders teuer und schwer versicherbar
Deshalb gilt in den meisten Fällen: Das Endalter 67 ist der neue Standard.
Wann kann eine BU nur bis 60 trotzdem sinnvoll sein?

Auch wenn das Endalter 67 heute als Standard gilt, kann eine Laufzeit bis 60 in bestimmten Situationen vertretbar sein – allerdings nur nach einer sorgfältigen Prüfung.
1. Sehr hohe Rücklagen oder Vermögen
Wer bereits ausreichend Kapital aufgebaut hat, um 5–7 Jahre Einkommensausfall selbst zu finanzieren, kann das Risiko bewusst selber tragen.
Beispiel: Bei 1.800 € monatlicher BU-Rente wären bis 67 rund 150.000 € notwendig (siehe vorherige Beispielrechnung).
2. Geplanter früher Ruhestand
Wenn realistisch geplant ist:
- Arbeitsende mit 60 oder 61
- gesicherte private Altersvorsorge
- schuldenfreie Immobilie
kann eine BU bis 60 ausreichend sein.
Wichtig: Der Plan muss aber auch finanziell tragfähig sein – nicht nur eine Wunschvorstellung.
3. Beamte mit echter Dienstunfähigkeitsklausel
Beamte mit einer echten Dienstunfähigkeitsklausel und ausreichender Beamtenversorgung können unter Umständen anders kalkulieren. Hier greifen besondere beamtenrechtliche Regelungen.
Weiterführend: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Beamte sinnvoll? – Absicherung bei Dienstunfähigkeit
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung für Beamte im Vergleich
4. Sehr knappes Budget
- In Ausnahmefällen kann „BU bis 60“ besser sein als gar kein Schutz.
- Allerdings sollte langfristig geprüft werden, ob eine Verlängerung möglich ist.
Den Altvertrag prüfen oder die Laufzeit verlängern?

Viele Verträge mit dem Endalter 60 stammen noch aus den 2000er- oder aus den frühen 2010er-Jahren.
Folgende Optionen sollten geprüft werden:
- Ist eine Verlängerung bis 65 oder 67 möglich?
- Ist eine Nachversicherung ohne eine Gesundheitsprüfung vorgesehen?
- Wäre ein Neuabschluss sinnvoller?
Achtung: Eine Verlängerung oder ein Neuabschluss kann eine erneute Gesundheitsprüfung erfordern.
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung wechseln – sinnvoll oder riskant?
Gerade bei älteren Verträgen lohnt sich ein Vergleich aktueller Tarife – die Bedingungen und der Rechnungszins haben sich seit 2025 leicht verändert.
Fazit: BU bis 60 – meist ein Risiko

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung nur bis 60 Jahre spart zwar Beitrag, erzeugt jedoch oft eine erhebliche Versorgungslücke zwischen 60 und 67.
Die Mehrkosten für eine Laufzeit bis 67 sind in vielen Fällen moderat – das finanzielle Risiko hingegen kann sechsstellige Summen erreichen.
In den meisten Fällen gilt daher:
Das Endalter 67 bietet die deutlich solidere Absicherung.
Nur wer ausreichend Vermögen oder eine sichere Beamtenversorgung hat, kann eine kürzere Laufzeit realistisch vertreten.
Und nun?
Ein strukturierter Vergleich der Berufsunfähigkeitsversicherung zeigt Ihnen, wie groß der Beitragsunterschied konkret ist – und welche Laufzeit für Ihre Situation sinnvoll ist.
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Häufig gestellte Fragen
Ist eine BU bis 60 noch zeitgemäß?
In den meisten Fällen nein. Da das Rentenalter aktuell (Stand: März 2026) bei 67 liegt, entsteht sonst eine Versorgungslücke.
Kann ich meine Laufzeit nachträglich verlängern?
Teilweise ja – abhängig vom Tarif. Oft ist jedoch eine neue Gesundheitsprüfung erforderlich.
Wie groß ist der Beitragsunterschied bis 67?
Je nach Alter und Beruf meist zwischen 10 und 30 € monatlich.
Was passiert, wenn ich mit 61 berufsunfähig werde?
Bei einem Vertrag bis 60 besteht kein Leistungsanspruch mehr.
Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ab 60?
In der Regel nicht – sie liegt meist deutlich unter dem vorherigen Nettoeinkommen.











