Auszahlung der Sterbegeldversicherung ohne Erbschein: Ist das möglich?

Auszahlung der Sterbegeldversicherung ohne Erbschein: Ist das möglich?

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Wussten Sie, dass die Auszahlung einer Sterbegeldversicherung mit einem klar benannten Bezugsberechtigten in der Regel innerhalb von wenigen Tagen erfolgt – komplett ohne Erbschein? Fehlt dieser Eintrag im Vertrag, fällt die Leistung in den Nachlass, ein Erbschein wird Pflicht, und die Hinterbliebenen warten Wochen bis Monate auf das Geld. Genau dann, wenn jede Woche zählt, um Bestattungskosten von 5.000 bis 13.000 Euro bezahlen zu können.

In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen, wann die Auszahlung ohne einen Erbschein funktioniert, welche Unterlagen Sie brauchen – und welche Fallstricke Sie vermeiden müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohne Erbschein möglich: Wenn ein Bezugsberechtigter namentlich oder funktional im Vertrag benannt ist, erfolgt die Auszahlung direkt an diese Person – außerhalb des Nachlasses, ohne Erbschein.
  • Auszahlungsdauer mit Bezugsberechtigtem: In der Regel 5–14 Tage nach vollständiger Einreichung der Unterlagen.
  • Ohne Bezugsberechtigten: Die Leistung fällt in den Nachlass, ein Erbschein ist nötig – das dauert 4–12 Wochen und kostet je nach Nachlasswert mehrere hundert Euro.
  • BFH-Urteil II R 31/21 (10.07.2024): Bei Abtretung an ein Bestattungsunternehmen erhöht der Sachleistungsanspruch den Nachlasswert – aber die tatsächlichen Bestattungskosten sind in vollem Umfang als Nachlassverbindlichkeiten abziehbar.
  • Einkommensteuer: Die Auszahlung ist steuerfrei.
  • Testsieger: LV 1871 (kurze Wartezeiten, bis 20.000 €), ERGO, CosmosDirekt – alle betonen schnelle Auszahlung ohne Erbschein.

Warum der Bezugsberechtigte so entscheidend ist

Die Sterbegeldversicherung ist eine Lebensversicherung auf den Todesfall. Das Bezugsrecht regelt, wer nach dem Tod der versicherten Person die Leistung erhält. Dieses Recht ist in den §§ 159 ff. VVG geregelt und ermöglicht eine direkte Auszahlung außerhalb des Nachlasses.

Was bedeutet das konkret?

Ist ein Bezugsberechtigter benannt, hat diese Person einen eigenen Vertragsanspruch gegenüber dem Versicherer – unabhängig vom Erbrecht. Das Geld fließt direkt an sie, ohne dass ein Nachlassgericht oder Notar involviert werden muss.

Ist kein Bezugsberechtigter benannt, gilt die gesetzliche Erbfolge nach §§ 1922, 1924 ff. BGB: Die Leistung wird Teil des Nachlasses – und die Erben müssen ihre Erbberechtigung durch einen Erbschein nachweisen.

Die Wahlmöglichkeiten bei der Festlegung

Als Versicherungsnehmer haben Sie die Freiheit, den Bezugsberechtigten selbst zu bestimmen. Es gibt verschiedene Optionen:

  • Ehepartner oder Lebenspartner
  • Kinder oder andere Familienangehörige
  • Freunde
  • Das Bestattungsunternehmen

Sonderregelungen bei fehlenden direkten Verwandten

Wenn keine direkten Verwandten vorhanden sind, gibt es Alternativen. Sie können:

  • Einen engen Freund als Bezugsberechtigten einsetzen
  • Eine gemeinnützige Organisation wählen
  • Das Bestattungsunternehmen direkt benennen

Wichtig ist, dass Sie Ihre Entscheidung dem Versicherer schriftlich mitteilen. So stellen Sie sicher, dass die Auszahlung im Todesfall reibungslos erfolgt.

Der direkte Vergleich: Mit vs. ohne Bezugsberechtigten

Der direkte Vergleich: Mit vs. ohne Bezugsberechtigten
Aspekt Mit Bezugsberechtigtem Ohne Bezugsberechtigten (gesetzliche Erbfolge)
Erbschein notwendig? Nein Ja
Dauer der Auszahlung 5–14 Tage nach vollständigen Unterlagen Mehrere Wochen bis Monate (Erbschein-Bearbeitung: 4–12 Wochen)
Empfänger Direkt die benannte Person (Partner, Kind, Bestatter) – frei verfügbar Erben oder Erbengemeinschaft
Zugehörigkeit zum Nachlass In der Regel nicht (eigener Vertragsanspruch) Ja – Teil des Nachlasses
Erforderliche Dokumente Versicherungsschein, Sterbeurkunde, Todesursachenbescheinigung, Identitätsnachweis, Bankverbindung Alle obigen Dokumente + Erbschein oder Nachweis des Erbrechts
Kosten Keine zusätzlichen Kosten Erbschein: mehrere hundert Euro (je nach Nachlasswert nach GNotKG)
Vorteil Schnell, unbürokratisch, Geld sofort für Bestattung verfügbar Automatisch an gesetzliche Erben
Nachteil Begünstigter kann Geld frei verwenden – keine Zweckbindung Verzögerung; Vorleistung für Bestattungskosten nötig

Unsere Empfehlung:

  • Legen Sie immer namentlich oder funktional (z.B. „die Person, die die Bestattung organisiert") einen Bezugsberechtigten fest.
  • Das widerrufliche Bezugsrecht bietet maximale Flexibilität – Sie können es jederzeit ändern.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Welche Unterlagen werden benötigt?
Bild: Checkfox.de
Dokument Pflicht? Hinweis
Versicherungsschein Ja Original oder Kopie – je nach Anbieter
Amtliche Sterbeurkunde Ja Vom Standesamt; in mehrfacher Ausfertigung sinnvoll
Todesursachenbescheinigung Ja Ärztliche oder amtliche Bescheinigung
Identitätsnachweis Bezugsberechtigter Ja Personalausweis oder Kopie
Bankverbindung Ja IBAN des Empfängers
Zusätzliche Nachweise bei Unfalltod Je nach Tarif Unfallbericht, polizeiliche Meldung o.ä.

Praxistipp:

  • Viele Bestatter übernehmen die Koordination mit dem Versicherer – das spart den Hinterbliebenen in einer emotional belastenden Phase erheblichen Aufwand.
  • Fragen Sie Ihren Bestatter direkt, ob er diesen Service anbietet.
  • Immer mehr Versicherer akzeptieren zudem die digitale Einreichung per E-Mail oder Online-Portal.

Ablauf der Auszahlung ohne Erbschein

Ablauf der Auszahlung ohne Erbschein
Bild: Checkfox.de
Schritt Was passiert Zeitrahmen
1. Zu Lebzeiten Bezugsberechtigten im Antrag oder nachträglich schriftlich beim Versicherer festlegen; Angehörige informieren, wo Versicherungsschein liegt Jederzeit möglich
2. Benachrichtigung Hinterbliebene oder Bestatter informieren den Versicherer unverzüglich nach dem Todesfall Innerhalb weniger Tage
3. Unterlagen einreichen Sterbeurkunde, Versicherungsschein, Todesursachenbescheinigung, Identitätsnachweis, IBAN So früh wie möglich
4. Prüfung durch Versicherer Versicherer prüft Unterlagen und Bezugsberechtigung 1–7 Tage
5. Auszahlung Überweisung an den Bezugsberechtigten Gesamtdauer: meist 5–14 Tage

Fristen: Manche Versicherer verlangen die Antragstellung innerhalb von 1–3 Monaten nach dem Todesfall. Prüfen Sie die AVB Ihres Vertrags.

Die Notwendigkeit einer zeitnahen Auszahlung

Eine schnelle Auszahlung der Sterbegeldversicherung ist entscheidend. Die Bestattungskosten fallen unmittelbar an und müssen zügig beglichen werden. Um das Sterbegeld beanspruchen zu können, sind bestimmte Dokumente nötig. Dazu gehören der Versicherungsschein, die Sterbeurkunde und manchmal ein Erbschein.

Die Sterbegeldversicherung auszahlen zu lassen, kann bei vollständiger Einreichung aller Unterlagen innerhalb weniger Tage erfolgen. Dies hilft den Angehörigen, sich auf die Trauerarbeit zu konzentrieren, ohne finanzielle Sorgen.

Weiterführend: Auszahlung der Sterbegeldversicherung zu Lebzeiten: Ist das möglich?

Wartezeiten: Was gilt in der Anfangsphase?

Wartezeiten: Was gilt in der Anfangsphase?
Bild: Checkfox.de
Todesursache / Zeitraum Typische Leistung Beispiel-Anbieter
Unfalltod – sofort Volle Versicherungssumme (teils verdoppelt) Fast alle Anbieter
Krankheitstod in den ersten 6 Monaten Meist nur Beitragsrückerstattung minus Kosten Standard-Tarife
Krankheitstod nach 6 Monaten Volle Leistung (LV 1871 Sondertarife) LV 1871
Krankheitstod nach 18–36 Monaten Volle Versicherungssumme ERGO, CosmosDirekt, Standard-Tarife
Selbsttötung in der Wartezeit Meist nur Beitragsrückzahlung Fast alle Anbieter

Beachten Sie, dass bei Tod durch Suizid in den ersten drei Versicherungsjahren die Auszahlung verweigert werden kann. Zudem ist eine regelmäßige Beitragszahlung wichtig, um den Versicherungsschutz aufrechtzuerhalten. Die Versicherungssumme wird nur bei Vorlage aller erforderlichen Dokumente ausgezahlt.

Anbieter im Überblick

Anbieter im Überblick
Bild: Checkfox.de
Anbieter Besonderheit Wartezeit Max. Summe
LV 1871 Oft Testsieger (MORGEN & MORGEN); kurze Wartezeiten in Sondertarifen Ab 6 Monate (Sondertarif) bis 20.000 €
ERGO Direkte Auszahlung ohne Erbschein; Flex-Option nach Beitragszahlungsdauer 18–36 Monate variabel
CosmosDirekt Schnelle Online-Abwicklung; klar kommunizierter Prozess ca. 24 Monate variabel
HUK-COBURG, Hannoversche, DEVK, Allianz, HanseMerkur Alle betonen unbürokratische Auszahlung und flexible Tarife Tarif-abhängig variabel

Quelle: MORGEN & MORGEN Ratings, SeguraLife Tests, Anbieter-Informationen, Stand April 2026

Steuerliche Aspekte

Steuerliche Aspekte
Bild: Checkfox.de

Einkommensteuer: Die Auszahlung ist vollständig einkommensteuerfrei.

Erbschaftsteuer: Bei klar benanntem Bezugsberechtigten gehört die Leistung in der Regel nicht zum Nachlass – keine Erbschaftsteuer. Die Freibeträge (500.000 € für Ehepartner, 400.000 € für Kinder) spielen bei normalen Sterbegeldbeträgen ohnehin keine Rolle.

Weiterführend: Ist eine Sterbegeldversicherung steuerlich absetzbar?

BFH-Urteil II R 31/21 (10.07.2024) – wichtig bei Abtretung an Bestatter:

Wenn die Sterbegeldversicherung an ein Bestattungsunternehmen abgetreten wird (die Bestattung also als Sachleistung erbracht wird), gilt:

  • Der Sachleistungsanspruch erhöht den Nachlasswert
  • Im Gegenzug sind die tatsächlichen Bestattungskosten in vollem Umfang als Nachlassverbindlichkeiten abziehbar – nicht nur die frühere Pauschale von 10.300 €

Das BFH-Urteil stärkt damit faktisch die steuerliche Stellung der Hinterbliebenen bei dieser Vertragsgestaltung.

Sozialhilfe/Pflegeheimkosten: Die Sterbegeldversicherung wird oft nicht als anzurechnendes Vermögen gewertet, wenn sie zweckgebunden für die Bestattung eingesetzt wird.

Steuerliche Besonderheiten

Ein wichtiger Hinweis: Wenn Sie selbst Versicherungsnehmer und versicherte Person sind, ist die Leistung nicht erbschaftsteuerpflichtig. Bei Ehepaaren ist es ratsam, vertraglich festzulegen, wer bei Tod des Partners neuer Versicherungsnehmer wird. Unverheiratete Paare sollten den Lebenspartner namentlich als Begünstigten nennen.

Häufige Fallstricke – und wie Sie sie vermeiden

Häufige Fallstricke – und wie Sie sie vermeiden
Bild: Checkfox.de
Fallstrick Was dann passiert So vermeiden Sie es
Kein oder veralteter Bezugsberechtigter Erbschein nötig; wochenlange Verzögerung; Mehrkosten Bezugsberechtigten nach jeder Lebensveränderung aktualisieren (Heirat, Scheidung, Tod)
Mehrere Bezugsberechtigte ohne klare Anteile Unklarheit bei Auszahlung; mögliche Konflikte Anteile klar in Prozent oder Reihenfolge festlegen
Versicherungsschein nicht auffindbar Verzögerung bei der Einreichung Versicherungsschein an sicherem, bekanntem Ort aufbewahren; Hinterbliebene informieren
Tod innerhalb der Wartezeit (Krankheit) Nur Beitragsrückzahlung statt voller Summe Tarif mit kurzer Wartezeit wählen; bei Unfalltod gilt meist sofort die volle Summe
Abtretung an Bestatter ohne steuerliche Prüfung Nachlasserhöhung durch Sachleistungsanspruch (BFH 2024) Steuerberater einschalten; voller Kostenabzug geltend machen
Antragsfrist verpasst Versicherer kann Auszahlung verzögern oder ablehnen AVB auf Fristen prüfen; Antrag innerhalb von 1–3 Monaten stellen

Fazit: So sichern Sie die schnelle Auszahlung

Fazit: So sichern Sie die schnelle Auszahlung
Bild: Checkfox.de

Die Auszahlung einer Sterbegeldversicherung ohne Erbschein ist der Standardweg – wenn der Bezugsberechtigte korrekt eingetragen ist. Das spart Zeit, Kosten und Nerven in einer ohnehin belastenden Situation.

Drei Dinge sind dafür entscheidend:

  • Bezugsberechtigten klar benennen – namentlich oder funktional (z.B. „Bestatter, der die Bestattung durchführt"). Regelmäßig auf Aktualität prüfen.
  • Unterlagen griffbereit halten – Versicherungsschein, Sterbeurkunde und Todesursachenbescheinigung sind die drei zentralen Dokumente. Hinterbliebene sollten wissen, wo sie zu finden sind.
  • Bestatter einbinden – Er kann die Kommunikation mit dem Versicherer übernehmen und die Unterlagen koordinieren.

Was nun?

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Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für die Auszahlung einer Sterbegeldversicherung immer einen Erbschein?

Nein. Wenn ein Bezugsberechtigter namentlich im Vertrag benannt ist, zahlt der Versicherer direkt an diese Person – ohne einen Erbschein. Fehlt diese Angabe, fällt die Leistung in den Nachlass und ein Erbschein wird erforderlich. Das ist der häufigste vermeidbare Fehler.

Wie lange dauert die Auszahlung nach dem Tod?

Mit vollständigen Unterlagen und benanntem Bezugsberechtigten: 5–14 Tage. Ohne Bezugsberechtigten mit Erbschein: 4–12 Wochen oder länger.

Was sind die wichtigsten Unterlagen für die Auszahlung?

Versicherungsschein, amtliche Sterbeurkunde, Todesursachenbescheinigung, Identitätsnachweis des Bezugsberechtigten und Bankverbindung. Viele Versicherer akzeptieren diese Dokumente heute digital.

Kann ich den Bestatter als Bezugsberechtigten einsetzen?

Ja. Sie können direkt einen Bestatter als Bezugsberechtigten benennen – die Leistung fließt dann direkt für die Bestattungskosten. Beachten Sie dabei das BFH-Urteil von 2024: Bei Abtretung erhöht sich formal der Nachlasswert, die realen Bestattungskosten sind aber in voller Höhe abziehbar.

Ist die Auszahlung steuerpflichtig?

Nein. Die Todesfallleistung ist einkommensteuerfrei. Erbschaftsteuer fällt bei klar benanntem Bezugsberechtigten normalerweise nicht an, da die Leistung außerhalb des Nachlasses steht. Weiterführend: Ist eine Sterbegeldversicherung steuerlich absetzbar?

Was passiert, wenn der Bezugsberechtigte vor dem Versicherten stirbt?

Dann fällt die Leistung ohne neue Regelung in den Nachlass – und ein Erbschein wird benötigt. Benennen Sie deshalb immer einen Ersatzbegünstigten (z.B. „subsidiär: Kinder zu gleichen Teilen") oder aktualisieren Sie den Vertrag nach solchen Ereignissen.

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