Wussten Sie, dass psychische Erkrankungen inzwischen rund 30–40 % aller Berufsunfähigkeitsfälle verursachen? Genau deshalb gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) als stärkste Absicherung der Arbeitskraft. Doch nicht jeder bekommt sie: Hohe Beiträge, Vorerkrankungen oder strenge Gesundheitsprüfungen führen häufig zu Zuschlägen oder Ablehnungen.
Viele suchen daher nach einer Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Wichtig ist jedoch: Keine Alternative bietet denselben umfassenden Schutz. Einige Lösungen sichern nur bestimmte Risiken ab, andere haben deutlich strengere Leistungsvoraussetzungen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Optionen es gibt – und für wen sie sinnvoll sein können.
Das Wichtigste in Kürze
- Keine Alternative ersetzt die BU vollständig
- Wichtigste Alternativen: Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits-, Dread-Disease- und Unfallversicherung
- Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung hat eine deutlich strengere Leistungshürde
- Grundfähigkeitsversicherungen leisten nur bei definiertem Fähigkeitsverlust
- Eine Dread-Disease-Versicherung zahlt einmalig – keine laufende Rente
- Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente deckt meist nur 15–40 % des Einkommens
- Eine Kombination mehrerer Bausteine kann sinnvoll sein
Warum eine Alternative zur BU überhaupt nötig sein kann
Eine BU ist ideal – aber nicht immer realistisch umsetzbar.
Typische Gründe:
- Vorerkrankungen (z. B. Depression, Rückenprobleme)
- Körperlich belastende Berufe mit hohen Beiträgen
- Laufende Therapien
- Budgetgrenzen
Gerade bei psychischen Vorerkrankungen verschärfen Versicherer ihre Annahmerichtlinien. In solchen Fällen können Alternativen zumindest einen Teilschutz bieten.
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung bei Depression – Leistung, Anerkennung & Abschluss
Gesetzliche Erwerbsminderungsrente – warum sie nicht ausreicht

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente in Deutschland wird häufig überschätzt. Die Rechtsgrundlage dafür ist § 43 des Sozialgesetzbuch VI.
Sie leistet nur, wenn:
- Weniger als 6 Stunden täglich gearbeitet werden kann (teilweise EM)
- Weniger als 3 Stunden täglich gearbeitet werden kann (volle EM)
Die durchschnittliche Absicherung liegt häufig nur bei 15–40 % des letzten Einkommens. Zudem wird jede Tätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt berücksichtigt – nicht der zuletzt ausgeübte Beruf.
Unsere Einordnung:
Die gesetzliche Absicherung stellt keine echte Alternative zur BU dar – sondern nur eine Grundsicherung.
Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) – die strengere Alternative

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet nur, wenn Sie weniger als drei Stunden täglich irgendeiner Tätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen können.
Rechtsgrundlage für die Definition der Erwerbsminderung ist § 43 des Sozialgesetzbuch VI.
Unterschiede zur BU
Vorteile der EU
- Oft günstiger als eine BU
- Teilweise geringere Gesundheitsanforderungen
- Sinnvoll bei körperlichen Berufen mit sehr hoher BU-Prämie
Nachteile
- Strenger Leistungsmaßstab
- Kein Schutz für den konkreten Beruf
- Die Anerkennungshürde ist deutlich höher
Unsere Meinung:
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) ist keine gleichwertige Alternative, sondern ein reduzierter Schutz.
Grundfähigkeitsversicherung (GF) – Schutz bei Fähigkeitsverlust

Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn definierte Fähigkeiten verloren gehen, etwa:
- Gehen
- Stehen
- Sehen
- Sprechen
- Greifen
- Autofahren
Wichtiger Hinweis: Der Beruf selbst spielt keine Rolle.
Vorteile der GF
- Die Kalkulation ist oft günstiger als bei der BU
- Die Gesundheitsprüfung ist teilweise weniger streng
- Es gibt eine klare Leistungsdefinition
Nachteile
- Psychische Erkrankungen werden häufig nur eingeschränkt versichert
- Keine Absicherung bei rein psychischer Berufsunfähigkeit
- Leistung nur bei konkretem Fähigkeitsverlust
Gerade weil psychische Erkrankungen inzwischen 30–40 % der BU-Fälle ausmachen, bietet eine reine Grundfähigkeitsversicherung hier keinen vollwertigen Ersatz.
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung bei Depression – Leistung, Anerkennung & Abschluss
Dread-Disease-Versicherung – Einmalzahlung bei schweren Krankheiten

Die Dread-Disease-Versicherung zahlt eine einmalige Kapitalleistung bei definierten schweren Erkrankungen, z. B.:
- Krebs
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
Vorteile
- Klare Diagnoseliste
- Schnelle Auszahlung bei bestätigter Diagnose
Nachteile
- Es gibt keine monatliche Rente
- Depression meist nicht versichert
- Kein Schutz bei schleichender Berufsunfähigkeit
Unfallversicherung – nur bei Unfallfolgen

Die private Unfallversicherung zahlt nur bei einer dauerhaften Invalidität durch Unfall.
Wichtig zu wissen:
Nur etwa 8 bis 10 % aller BU-Fälle entstehen durch Unfälle.
Das bedeutet:
Die meisten Ursachen – insbesondere psychische Erkrankungen oder Krebs – sind durch die private Unfallversicherung nicht abgedeckt und somit eignet sich die Versicherung nicht als generelle Alternative zur BU.
Weiterführend: Berufsunfähigkeitsversicherung bei Depression – Leistung, Anerkennung & Abschluss
Multi-Risk- oder Funktionsinvaliditätsversicherung

Diese Tarife kombinieren mehrere Bausteine:
- Grundfähigkeiten
- Pflege
- Teilweise schwere Krankheiten
Multi-Risk- oder Funktionsinvaliditätsversicherungen sind flexibler als reine GF-Tarife, erreichen aber meist nicht den Schutzumfang einer BU. Unter gewissen Umständen können sie als Alternativen oder Ergänzungen fungieren.
Vergleich: Alternativen im Überblick

Nachfolgend zeigen wir Ihnen alle genannten BU-Alternativen im direkten Vergleich:
Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet den umfassendsten Einkommensschutz, weil sie bereits leistet, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben können. Alle anderen Lösungen sichern nur Teilbereiche ab und schließen genau die häufigsten Ursachen – wie psychische Erkrankungen – oft nur eingeschränkt ein.
Fazit: BU bleibt Goldstandard – Alternativen sind Teilschutz

Die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt auch weiterhin der umfassendste Schutz der Arbeitskraft.
Alternativen:
- Können günstiger sein
- Sind bei Vorerkrankungen manchmal leichter zugänglich
- Decken jedoch nur Teilrisiken ab
Wenn möglich, ist eine BU mit guten Bedingungen die stärkste Lösung. Wenn nicht möglich, kann eine Kombination aus EU, Grundfähigkeit oder Dread Disease zumindest eine Basisabsicherung darstellen.
Was nun?
Unser strukturierter Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung hilft Ihnen, realistisch einzuschätzen, ob eine BU doch möglich ist – und welche Alternative im Einzelfall sinnvoll erscheint.
[CTA]
Häufig gestellte Fragen
Was ist die beste Alternative zur BU?
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung kommt der BU am nächsten, hat jedoch eine deutlich strengere Leistungshürde.
Ist die EU günstiger als die BU?
Oft ja, da der Leistungsfall seltener eintritt.
Deckt die Grundfähigkeitsversicherung psychische Erkrankungen ab?
Meist nur eingeschränkt oder indirekt.
Kann ich mehrere Alternativen kombinieren?
Ja, Kombinationen sind möglich und können Lücken reduzieren.
Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente?
In der Regel nicht. Sie deckt häufig nur 15 bis 40 % des Einkommens.













