Wussten Sie, dass Sie beim Austausch einer Ölheizung den Klimageschwindigkeits-Bonus unabhängig vom Alter der Anlage erhalten? Bei Gasheizungen müssen mindestens 20 Jahre nachgewiesen werden – Öl-, Kohle- und Nachtspeicherheizungen qualifizieren sich ohne Altersgrenze. Das sind 16 Prozentpunkte mehr Förderung, die viele Eigentümer nicht auf dem Schirm haben.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was die Umrüstung vollständig kostet, welche Positionen speziell beim Öl-Ausstieg anfallen und warum sich der Wechsel auch ohne gesetzlichen Zwang rechnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Die vollständige Umrüstung kostet 22.000 bis 38.000 € (Luft-Wasser) bzw. 37.000 bis 58.000 € (Erdwärme) – inklusive Tankrückbau.
- Der Ölheizungs-Vorteil: Der Klimageschwindigkeits-Bonus von 16 Prozentpunkten gilt ohne Altersgrenze. Für Durchschnittsverdiener ergibt das 46 % Förderung, maximal sind 80 % möglich.
- Sie müssen nicht wechseln. Das GModG hat seit dem 29. Juli 2026 die 65-Prozent-Pflicht und die Austauschpflicht für alte Kessel ersatzlos gestrichen. Der wirtschaftliche Druck bleibt aber.
- Zwei Positionen, die nur beim Öl-Ausstieg anfallen: Tankstilllegung (400–5.000 € je nach Bauart) und die behördliche Anzeige bei der unteren Wasserbehörde.
- Der unterschätzte Nebeneffekt: Nach dem Rückbau werden typischerweise 5 bis 15 m² Kellerfläche frei.
- R290 ist entscheidend: Ölheizungen laufen oft mit 70–75 °C. Moderne Propan-Wärmepumpen erreichen diese Temperaturen und machen den Heizkörpertausch meist überflüssig.
- Jährliche Ersparnis: rund 1.150 € gegenüber Öl, mit Photovoltaik deutlich mehr.
- Ab Februar 2027 sinkt die Förderung halbjährlich. Maßgeblich ist das Antragsdatum.
Warum sich der Umstieg lohnt – auch ohne Verbot
Das Gebäudemodernisierungsgesetz gilt seit dem 29. Juli 2026. Entfallen sind:
- die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht beim Heizungstausch
- die Austauschpflicht für über 30 Jahre alte Öl- und Gaskessel
- die Kopplung an die kommunale Wärmeplanung
Sie dürfen Ihre Ölheizung also weiter betreiben und reparieren lassen – und bundesrechtlich sogar eine neue einbauen. Der Kostendruck verlagert sich dafür auf den Betrieb:
Für die Entscheidung heißt das:
- Der gesetzliche Zwang ist weg, der wirtschaftliche gewachsen.
- Wer heute eine neue Ölheizung einbaut, kauft günstiger ein – zahlt über die Nutzungsdauer von 20 Jahren aber absehbar deutlich mehr.
Weiterführend: Was kostet die Umrüstung von Gasheizung auf Wärmepumpe?
Ist Ihr Haus geeignet? Der 50-Grad-Test

Bevor Sie Angebote einholen, lohnt sich ein Selbsttest. Er zeigt, wie effizient eine Wärmepumpe in Ihrem Gebäude arbeiten wird.
So funktioniert es: Stellen Sie an einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur Ihrer Ölheizung auf 50 °C und öffnen Sie alle Thermostate vollständig. Beobachten Sie über mehrere Stunden, welche Räume ausreichend warm werden.
Wichtig: Auch ein schwaches Ergebnis schließt die Wärmepumpe nicht aus. Moderne R290-Geräte erreichen bis zu 75 °C und versorgen damit auch Gussheizkörper aus den 1970ern.
Technische Voraussetzungen im Überblick
Was die Umrüstung vollständig kostet

Beim Öl-Ausstieg fallen Positionen an, die es bei einem reinen Gerätetausch nicht gäbe. Die folgende Aufstellung enthält alles, was in ein seriöses Angebot gehört.
Der Öltank: Wo die Kosten wirklich auseinandergehen
Die häufigste Pauschalangabe „400 bis 2.000 €" verdeckt einen erheblichen Unterschied.
Behördliche Anzeige: Die Stilllegung eines Öltanks ist der unteren Wasserbehörde anzuzeigen. Bei Anlagen ab bestimmter Größe gelten die Anforderungen der AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen). Ein Fachbetrieb nach § 62 AwSV muss die Arbeiten ausführen und bescheinigen.
Restöl: Verbleibendes Heizöl im Tank kann je nach Menge und Zustand verkauft werden – erkundigen Sie sich beim Ölhändler. Andernfalls fällt es unter die Entsorgungskosten.
Gute Nachricht zur Förderung: Demontage und Entsorgung der Altanlage einschließlich Tank sind als Umfeldmaßnahme förderfähig – sie zählen zu den förderfähigen Kosten.
Der Nebeneffekt, den kaum jemand einrechnet
Ein Öltank für ein Einfamilienhaus fasst typischerweise 3.000 bis 5.000 Liter und belegt mit Auffangwanne und Zugang 5 bis 15 Quadratmeter Kellerfläche. Nach dem Rückbau steht dieser Raum zur Verfügung – als Lager, Hobbyraum oder Werkstatt.
Praktisch nützlich ist das auch für die neue Anlage: Innengerät und Pufferspeicher finden dort meist problemlos Platz.
Mögliche Zusatzkosten im Altbau
Eine Vollsanierung ist in den seltensten Fällen erforderlich – meist genügen ein bis drei dieser Maßnahmen.
Weiterführend: Was kostet eine Wärmepumpe? | Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Förderung: Der Ölheizungs-Vorteil

Die Heizungsförderung läuft über KfW Programm 458 – nicht über das BAFA. Am 21. Juli 2026 wurde sie grundlegend reformiert.
Warum Ölheizungen besser dastehen als Gasheizungen
Der Klimageschwindigkeits-Bonus gilt beim Austausch von Öl-, Kohle- und Nachtspeicherheizungen ohne Altersgrenze. Bei Gas- und Biomasseheizungen müssen dagegen mindestens 20 Jahre nachgewiesen werden.
Wer eine acht Jahre alte Ölheizung ersetzt, bekommt die 16 Prozentpunkte – wer eine acht Jahre alte Gasheizung ersetzt, nicht.
Wichtig: Die Anlage muss noch funktionstüchtig sein. Wer wartet, bis der Kessel ausfällt, verliert den Bonus.
Weiterführend: Was kostet die Umrüstung von Gasheizung auf Wärmepumpe?
Was Sie konkret bekommen
Zur Deckelung: Die Prozentsätze gelten auf die förderfähigen Kosten von maximal 28.000 €, nicht auf die Anlagensumme. Wer eine Anlage für 35.000 € kauft, erhält höchstens 22.400 €.
Antragsreihenfolge – der teuerste Fehler
- Fachbetrieb erstellt die Bestätigung zum Antrag (BzA)
- KfW-Antrag stellen – zwingend vor Vertragsabschluss
- Förderzusage abwarten, dann Auftrag erteilen
- Nach der Zusage haben Sie 36 Monate Zeit für die Umsetzung
Wer den Vertrag vor der Antragstellung unterschreibt, verliert den Anspruch vollständig. Zulässig ist ein Vertrag mit aufschiebender Förderbedingung.
Warum Warten teuer wird
Maßgeblich ist das Antragsdatum, nicht der Einbautermin.
Alternativen und Ergänzungen
In den meisten Fällen ist die BEG-Förderung deutlich günstiger als die steuerlichen Wege – rechnen Sie beide Varianten durch, bevor Sie sich entscheiden.
Weiterführend: Alles zur Wärmepumpen-Förderung | Wie lange dauert die Auszahlung der Förderung?
Technische Fördervoraussetzungen

Betriebskosten: Öl gegen Wärmepumpe

Beispiel: Einfamilienhaus, 150 m², teilsaniert, 24.000 kWh Wärmebedarf.
Die Ersparnis wächst mit dem CO₂-Preis: Ab 2027 löst der EU-ETS 2 den festen Korridor ab, und ab 2029 verteuert die Bio-Treppe das Heizöl zusätzlich.
Weiterführend: Was kostet eine Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus?
Mit Photovoltaik
Der Deckungsgrad hängt stark von Anlagengröße und Verbrauchsprofil ab. Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten arbeitet, liefert die Photovoltaik am wenigsten.

Weiterführend: Förderung für Photovoltaik: Aktuelle Infos & Tipps
Stromkosten weiter senken
Über § 14a EnWG erhalten Sie reduzierte Netzentgelte, wenn Sie die Wärmepumpe als steuerbare Verbrauchseinrichtung anmelden:
- Modul 1 – pauschale Reduzierung: Fester Abschlag auf das Netzentgelt
- Modul 2 – prozentuale Reduzierung: Rabatt auf den Arbeitspreis, sinnvoll bei hohem Verbrauch
- Modul 3 – zeitvariable Netzentgelte: In Kombination mit dynamischem Tarif der wirtschaftlichste Weg
Weiterführend: Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe?
Amortisation & R290

Typische Spanne: 5 bis 13 Jahre. Bei einer Lebensdauer von 15 bis 25 Jahren bleiben danach mehrere Jahre mit reinem Kostenvorteil.
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R290: der entscheidende Hebel bei Ölheizungen
Ölheizungen arbeiten im Bestand häufig mit 70 bis 75 °C Vorlauftemperatur. Genau hier entscheidet das Kältemittel darüber, ob ein teurer Heizkörpertausch nötig wird.
Der frühere Förderbonus für natürliche Kältemittel ist entfallen – die technischen Argumente bleiben. Die früher übliche Unterscheidung zwischen „normalen" und „Hochtemperatur-Wärmepumpen" ist damit weitgehend überholt.
Ablauf der Umrüstung & häufige Fehler

Wichtig:
- Die reine Montagezeit beträgt zwei bis fünf Tage.
- Was Wochen dauert, ist der Vorlauf aus Planung, Angebotsvergleich und Förderantrag.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Fazit: Für wen sich die Umrüstung lohnt

Klar ja, wenn:
- Ihre Ölheizung noch funktioniert – dann greift der Klimageschwindigkeits-Bonus ohne Altersgrenze
- Der 50-Grad-Test positiv ausfällt oder mit ein bis zwei Heizkörpertauschen positiv wird
- Sie einen Wärmepumpentarif nutzen und die Anlage nach § 14a EnWG anmelden
- Sie eine Photovoltaikanlage haben oder planen
- Sie in Baden-Württemberg oder Hamburg wohnen, wo die 15-Prozent-Landespflicht weiterhin gilt
Genauer prüfen, wenn:
- Für Ihre Adresse ein Fernwärmeanschluss absehbar ist
- Das Gebäude dauerhaft über 75 °C Vorlauftemperatur benötigt
- Der Öltank unterirdisch liegt – dann Rückbaukosten vorab klären
- Sie einen kurzfristigen Verkauf planen
Ihre nächsten Schritte
- 50-Grad-Test durchführen
- Tankart klären – Keller- oder Erdtank? Das entscheidet über mehrere tausend Euro
- Heizlastberechnung vom Fachbetrieb anfordern
- Mindestens drei Vollkosten-Angebote einholen – mit Elektroanschluss, Speicher, hydraulischem Abgleich und Tankstilllegung
- KfW-Antrag stellen – zwingend vor Vertragsabschluss
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Häufig gestellte Fragen
Muss ich meine Ölheizung überhaupt austauschen?
Nein. Das GModG hat am 29. Juli 2026 sowohl die 65-Prozent-Pflicht als auch die Austauschpflicht für über 30 Jahre alte Kessel ersatzlos gestrichen. Sie dürfen Ihre Ölheizung weiter betreiben und reparieren lassen. Der wirtschaftliche Druck steigt aber: Bio-Treppe ab 2029, EU-ETS 2 ab 2027 und die Grünheizölquote ab 2028.
Was kostet die Umrüstung von Öl auf Wärmepumpe?
Vollständig gerechnet 22.000 bis 38.000 € für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, 37.000 bis 58.000 € für Erdwärme. Enthalten sind Gerät, Speicher, Montage, Elektroanschluss, hydraulischer Abgleich, Kesseldemontage und Tankstilllegung. Nach Förderung bleibt für einen Durchschnittsverdiener ein Eigenanteil von rund 15.000 €.
Warum ist die Förderung bei Ölheizungen höher?
Der Klimageschwindigkeits-Bonus von 16 Prozentpunkten gilt beim Austausch von Öl-, Kohle- und Nachtspeicherheizungen ohne Altersgrenze. Bei Gas- und Biomasseheizungen müssen dagegen mindestens 20 Jahre nachgewiesen werden. Voraussetzung ist, dass die Anlage noch funktionstüchtig ist – wer wartet, bis der Kessel ausfällt, verliert den Bonus.
Was passiert mit dem alten Öltank?
Er muss entleert, gereinigt und stillgelegt werden. Die Kosten hängen stark von der Bauart ab: Kellertanks 400–2.000 €, Erdtanks 1.500–5.000 € je nachdem, ob sie ausgegraben oder vor Ort verfüllt werden. Die Stilllegung ist der unteren Wasserbehörde anzuzeigen und muss von einem Fachbetrieb nach § 62 AwSV ausgeführt werden. Demontage und Entsorgung sind als Umfeldmaßnahme förderfähig.
Was passiert mit dem Restöl im Tank?
Verbleibendes Heizöl kann je nach Menge und Zustand verkauft werden – fragen Sie bei Ihrem Ölhändler nach. Andernfalls wird es im Rahmen der Tankreinigung fachgerecht entsorgt.
Wie viel Platz wird durch den Rückbau frei?
Ein typischer Öltank für ein Einfamilienhaus belegt mit Auffangwanne und Zugang 5 bis 15 Quadratmeter. Diese Fläche steht nach dem Rückbau als Lager- oder Hobbyraum zur Verfügung – oft findet dort auch das Innengerät der Wärmepumpe Platz.
Brauche ich neue Heizkörper?
Meist nicht. Machen Sie den 50-Grad-Test: Stellen Sie die Vorlauftemperatur an einem kalten Tag auf 50 °C und öffnen Sie alle Thermostate. Bleiben alle Räume warm, sind Ihre Heizkörper geeignet. Und selbst bei höheren Anforderungen erreichen moderne R290-Wärmepumpen bis zu 75 °C.
Wie hoch ist die Ersparnis gegenüber Öl?
Bei einem Einfamilienhaus mit 24.000 kWh Wärmebedarf rund 1.150 € pro Jahr – mit Photovoltaik bis zu 2.070 €. Neben den Energiekosten entfallen Schornsteinfeger und Tankreinigung vollständig.
Wann muss ich den Förderantrag stellen?
Vor Vertragsabschluss mit dem Heizungsbauer. Wer vorher unterschreibt, verliert den Anspruch vollständig – rückwirkende Anträge sind ausgeschlossen. Nach der Zusage haben Sie 36 Monate Zeit. Maßgeblich für die Förderhöhe ist das Antragsdatum.
Kann ich die Förderung mit der Steuerabschreibung kombinieren?
Nein. § 35c EStG (20 % über drei Jahre) und die BEG-Förderung schließen sich aus, ebenso der Handwerkerbonus nach § 35a für geförderte Maßnahmen. Der KfW-Ergänzungskredit 358/359 ist dagegen kombinierbar – er setzt eine Zuschusszusage sogar voraus.
Wie lange dauert die Umrüstung?
Die reine Installation dauert zwei bis fünf Tage, der Rückbau der Ölheizung ein bis drei Tage. Der Gesamtvorlauf aus Eignungsprüfung, Angebotsvergleich, Förderantrag und Terminvergabe nimmt mehrere Wochen bis Monate in Anspruch.
Lohnt sich eine Hybridlösung mit dem alten Ölkessel?
Nur eingeschränkt. Es wird nur der Wärmepumpenanteil gefördert, der Ölkessel unterliegt ab 2029 der Bio-Treppe, und Tankraum sowie Schornsteinfegerkosten bleiben erhalten. Sinnvoll ist die Hybridlösung vor allem, wenn der Ölkessel noch sehr neu ist.





















