Wussten Sie, dass rund jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig wird – am häufigsten wegen psychischer Erkrankungen (ca. 36 % der Fälle)? Gleichzeitig liegt die durchschnittliche gesetzliche Erwerbsminderungsrente bei nur etwa 1.059 € monatlich. Deshalb stellen sich viele die Frage: Ist eine BU wirklich notwendig – oder schlicht sinnlos?
In diesem Ratgeber ordnen wir neutral ein, für wen eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist, wann sie verzichtbar sein kann und welche Alternativen es für Angestelle und Selbstständige gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund jeder Vierte wird vor Rentenbeginn berufsunfähig
- Psychische Erkrankungen sind mit ca. 36 % häufigste Ursache
- Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt im Schnitt bei etwa 1.059 € monatlich
- Eine BU zahlt bei mindestens 50 % Berufsunfähigkeit (§ 172 VVG)
- Für Selbstständige und junge Berufstätige besonders wichtig
- In Einzelfällen (z. B. hohes Vermögen, Beamtenstatus) kann sie verzichtbar sein
Warum zweifeln viele Menschen an der BU?
Die Frage „Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung sinnlos?“ entsteht meist aus drei Gründen: Kosten, Komplexität und falsche Erwartungen.
1. „Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist zu teuer“
- Die Beiträge liegen – je nach Alter, Beruf und Rentenhöhe – häufig zwischen 50 und 150 € monatlich.
- Für junge Menschen mit knappem Budget wirkt das hoch.
- Dabei gilt: Je früher der Abschluss, desto günstiger.
- Ein 20-jähriger Student zahlt für 1.000 € BU-Rente oft nur 25–40 € monatlich.
2. „Der Staat zahlt doch“
Viele verwechseln die BU mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente (EM). Diese greift jedoch nur, wenn weniger als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann – unabhängig vom erlernten Beruf.
Dabei ist die Lücke zwischen Einkommen und staatlicher Leistung häufig erheblich.
Durchschnittswert für Neurentner mit voller Erwerbsminderungsrente (Stand Februar 2026). Die tatsächliche Höhe hängt von den eingezahlten Beiträgen ab.
3. „Die BU ist doch nur ein Sparvertrag“
Das ist ein verbreiteter Irrtum! Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Kapitalanlage, sondern eine reine Risikoversicherung. Sie zahlt somit nur in einem Leistungsfall – dafür aber über viele Jahre hinweg.
Die rechtliche Grundlage dafür ist § 172 Abs. 2 des Versicherungsvertragsgesetz.
Unsere Meinung zu diesen gängigen Aussagen:
Die Skepsis vieler Menschen ist natürlich nachvollziehbar – doch sie basiert häufig auf Missverständnissen über die staatlichen Leistungen und über die Funktionsweise der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Wann ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Ob eine BU sinnvoll ist, hängt vor allem von einer Frage ab: Sind Sie auf Ihr Arbeitseinkommen angewiesen? Für die meisten Erwerbstätigen lautet die Antwort: ja.
Da rund jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig wird, ist das Risiko keineswegs theoretisch.
Weiterführend: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?
Besonders sinnvoll ist eine BU für:
Gerade psychische Erkrankungen – mit rund 36 % häufigste Ursache – treffen auch Büro- und Akademikerberufe. Das Risiko beschränkt sich also nicht auf körperlich schwere Tätigkeiten.
Wichtiger Hinweis: Je höher Ihr Einkommen und je mehr Menschen davon abhängen, desto wichtiger ist eine eigene Absicherung.
Rechenbeispiel: Versorgungslücke
Angenommen, Ihr Nettoeinkommen beträgt 2.800 €.
- Gesetzliche Erwerbsminderungsrente: ca. 1.059 € Ø
- Fehlbetrag: rund 1.700 € monatlich
Über 20 Jahre summiert sich diese Lücke auf über 400.000 €.
Hier zeigt sich: Für einkommensabhängige Personen ist die BU in der Regel nicht sinnlos, sondern eine Absicherung gegen ein reales finanzielles Risiko.
Wann kann eine BU tatsächlich verzichtbar sein?

Auch wenn sie für viele sinnvoll ist – es gibt Konstellationen, in denen eine BU nicht zwingend erforderlich ist.
Beamte mit ausreichendem Ruhegehalt
Beamte erhalten im Dienstunfähigkeitsfall Versorgungsleistungen vom Staat.
Eine zusätzliche Absicherung kann dennoch sinnvoll sein – insbesondere für Beamte auf Widerruf oder Probe.
Personen mit hohem Vermögen
Wer:
- mehrere Hunderttausend Euro liquide Rücklagen
- oder ausreichend passive Einkünfte
besitzt, kann Einkommensausfälle selbst abfedern und benötigt in der Regel keine zusätzliche Absicherung.
Personen ohne ein Erwerbseinkommen
Studierende, Hausfrauen/-männer oder Rentner ohne ein eigenes Einkommen benötigen eigentlich keine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung.
Hier können andere Absicherungen (z. B. die Unfallversicherung) relevanter sein.
Sehr kurze Restarbeitszeit
Wer kurz vor dem Renteneintritt steht, muss zuerst prüfen, ob die Beiträge und die Restlaufzeit der BU noch in einem sinnvollen Verhältnis stehen.
Unsere Meinung:
„Sinnlos“ ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung selten. Sie ist jedoch nicht für jede Lebenssituation zwingend notwendig. Entscheidend sind:
- Abhängigkeit vom Einkommen
- Vermögenssituation
- Berufsstatus
- Alter
Vorteile & Nachteile einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Frage „Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnlos?“ lässt sich nur beantworten, wenn man die Vor- und Nachteile sachlich gegenüberstellt. Nachfolgend zeigen wir Ihnen eine Übersicht der gängigen Vorteile und Nachteile der BU:
Die Nachteile betreffen vor allem Kosten und Komplexität. Die Vorteile betreffen die existenzielle Einkommensabsicherung. Unter dem Strich lässt sich festhalten: Für einkommensabhängige Personen überwiegt meist der Nutzen der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Wichtiger Hinweis: Die Beiträge zur BU sind planbar – das Risiko ohne eine Absicherung ist es jedoch nicht.
Alternativen zur BU – sind sie eine bessere Lösung?

Wer die Berufsunfähigkeitsversicherung als „zu teuer“ oder „unnötig“ empfindet, sucht oft nach Alternativen. Diese sind jedoch nicht gleichwertig. Rechtlich geregelt ist die private BU im § 172 des Versicherungsvertragsgesetz.
Nachfolgend zeigen wir Ihnen die wichtigsten Alternativen:
Keine dieser Alternativen ersetzt den Schutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung vollständig – sie sichern immer nur Teilrisiken ab.
Zum Vergleich: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift nur bei stark eingeschränkter allgemeiner Arbeitsfähigkeit – und liegt im Schnitt bei rund 1.059 € monatlich.
Alternativen können sinnvoll sein, wenn eine BU nicht möglich oder bezahlbar ist. Sie ersetzen jedoch in der Regel keinen vollständigen Berufsschutz.
Kosten-Nutzen-Betrachtung: Ist die BU ihr Geld wert?

Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll oder „sinnlos“ ist, hängt stark vom Verhältnis zwischen Beitrag und abgesichertem Risiko ab.
Weiterführend: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?
Typische Beiträge
Die Beitragshöhe hängt vor allem von Alter, Beruf und Rentenhöhe ab.
Beispielbeiträge für Eintrittsalter 30 Jahre, Laufzeit bis 67 Jahre, Nichtraucher, ohne Vorerkrankungen und hochwertige Tarifbedingungen. Je nach Versicherer und Gesundheitsprüfung sind Abweichungen möglich.
Die Unterschiede entstehen durch Risikoklassen. Körperlich belastende Berufe werden statistisch höher eingestuft.
Beispiel: Langfristiger Nutzen
Angenommen:
- Monatlicher Beitrag: 80 €
- Vertragslaufzeit: 30 Jahre
- Gesamteinzahlung: ca. 28.800 €
Tritt eine Berufsunfähigkeit mit 45 Jahren ein und die Rente beträgt 1.800 € monatlich bis 67, ergibt das:
- 22 Jahre Rentenzahlung
- 1.800 € × 12 × 22 = 475.200 €
Das Verhältnis zwischen Beitrag und möglicher Leistung zeigt: Die BU ist kein Sparvertrag, sondern eine Absicherung gegen ein hohes finanzielles Risiko.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt bei rund 1.059 € monatlich – oft deutlich unter dem bisherigen Einkommen.
Wann kann die BU wirtschaftlich fragwürdig sein?
- Sehr hohe Beiträge bei körperlich riskanten Berufen
- Sehr kurze Restlaufzeit bis zur Rente
- Hohe Vermögensreserven, die den Einkommensausfall kompensieren
Hier kann eine individuelle Abwägung sinnvoll sein.
Fazit: Berufsunfähigkeitsversicherung sinnlos? In den meisten Fällen nein

Für die Mehrheit der Erwerbstätigen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung keine unnötige Ausgabe, sondern eine Absicherung gegen ein reales Risiko.
Rund jeder vierte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Gleichzeitig reicht die gesetzliche Absicherung häufig nicht aus, um den Lebensstandard zu sichern.
„Sinnlos“ ist eine BU meist nur dann, wenn:
- ausreichendes Vermögen vorhanden ist
- beamtenrechtliche Versorgung greift
- kein Erwerbseinkommen abgesichert werden muss
Entscheidend sind:
- Passende Rentenhöhe
- Klare Leistungsdefinition (50 %-Regel)
- Verzicht auf abstrakte Verweisung
- Tragbare Beitragshöhe
Was nun?
Unser strukturierter Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung hilft Ihnen dabei, den Preis und die Leistung transparent gegenüberzustellen – und zu prüfen, ob die Absicherung in Ihrer individuellen Situation sinnvoll ist.
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Häufig gestellte Fragen
Ist eine BU herrausgeschmissenes Geld, wenn nichts passiert?
Nein. Wie jede Risikoversicherung sichert sie ein existenzielles Risiko ab. Sie zahlen somit für den Schutz, nicht für den Kapitalaufbau.
Für wen ist eine BU wirklich unnötig?
Für Personen mit ausreichend Vermögen, beamtenrechtlicher Vollversorgung oder ohne eigenes Erwerbseinkommen.
Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente?
In der Regel nicht. Sie liegt durchschnittlich bei etwa 1.059 € monatlich .
Kann ich stattdessen einfach sparen?
Um eine Versorgungslücke von mehreren Hunderttausend Euro abzusichern, wären sehr hohe Rücklagen erforderlich. Für viele Menschen ist das realistisch kaum umsetzbar.
Warum sind BU-Beiträge so unterschiedlich?
Alter, Beruf, Rentenhöhe und Gesundheitszustand beeinflussen die Risikoeinstufung stark.




